Werkzeuge zur systematischen Analyse eurer Machtressourcen und Resilienz — für zivilgesellschaftliche Gruppen, Initiativen und Bewegungen.
Wer etwas verändern will, braucht Macht. Das klingt vielleicht erst einmal unangenehm — aber Macht ist nichts Schlechtes. Sie beschreibt schlicht die Fähigkeit, eigene Interessen durchzusetzen und Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen. Die entscheidende Frage ist: Welche Macht habt ihr — und wie könnt ihr sie gezielt aufbauen?
Genau dafür gibt es den Machtressourcenansatz. Er wurde ursprünglich in der Gewerkschaftsforschung entwickelt — vor allem am Arbeitskreis Strategic Unionism der Universität Jena (Schmalz/Dörre 2013). Der Ansatz identifiziert vier zentrale Quellen der Macht, die sich gegenseitig verstärken, aber auch teilweise ersetzen können. Ich habe ihn hier für zivilgesellschaftliche Gruppen, Initiativen und Bewegungen angepasst.
Strukturelle Macht entsteht aus eurer Position innerhalb gesellschaftlicher Zusammenhänge. Wenn ihr an Stellen aktiv seid, die für das Funktionieren der Gesellschaft wichtig sind — etwa in der Versorgung, im Bildungswesen oder in kritischer Infrastruktur — dann habt ihr ein Druckpotenzial, das weit über eure Mitgliederzahl hinausgeht. Strukturelle Macht bedeutet: Ihr könnt stören, wenn man euch ignoriert.
Organisationsmacht ist die Kraft, die aus dem kollektiven Zusammenschluss entsteht. Einzelne Menschen sind leicht zu überhören — organisierte Gruppen nicht. Entscheidend sind dabei nicht nur die Mitgliederzahlen, sondern auch Mobilisierungsfähigkeit, interne Strukturen, finanzielle Ressourcen, Zusammenhalt und die Bereitschaft, gemeinsam zu handeln.
Institutionelle Macht beschreibt den Zugang zu formellen Entscheidungsstrukturen: Sitze in Gremien, Beteiligungsrechte, rechtliche Absicherungen, etablierte Verhandlungskanäle. Diese Machtform ist besonders stabil, weil sie aus vergangenen Auseinandersetzungen hervorgegangen und institutionell verankert ist. Aber Vorsicht: Institutionelle Macht kann erodieren, wenn sie nicht durch aktive Organisationsmacht gestützt wird.
Gesellschaftliche Macht entsteht durch eure Fähigkeit, öffentliche Debatten mitzugestalten und Bündnisse über eure eigene Gruppe hinaus zu schließen. Wer die öffentliche Meinung auf seiner Seite hat und Koalitionen mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren bilden kann, multipliziert seine Wirkung erheblich — selbst wenn die eigene Organisation klein ist.
Die meisten Gruppen wissen intuitiv, wo sie stark sind. Aber sie übersehen oft blinde Flecken: Vielleicht ist die Öffentlichkeitsarbeit gut, aber die interne Organisation schwach. Vielleicht gibt es institutionellen Zugang, aber keine Mobilisierungsfähigkeit, um ihn mit Nachdruck zu nutzen. Die Machtressourcenanalyse macht diese Zusammenhänge sichtbar. Sie zeigt euch, wo eure Stärken liegen, wo Handlungsbedarf besteht und welche konkreten Schritte am meisten bewirken.
Ich habe ein Video aufgenommen, um die Machtressourcenanalyse noch einmal besser zu veranschaulichen: Video auf YouTube ansehen
Die Analyse dauert etwa 10–15 Minuten. Beantwortet die Fragen möglichst ehrlich und gemeinsam als Gruppe — der größte Wert liegt in der Diskussion, die dabei entsteht.
Wer sich zivilgesellschaftlich engagiert — ob in einer Bürgerinitiative, einer politischen Bewegung oder einer aktivistischen Gruppe — setzt sich potenziell Druck und Widerstand aus. Das kann viele Formen annehmen: öffentliche Diffamierung, juristische Einschüchterung, soziale Isolation, berufliche Konsequenzen oder im Extremfall auch physische Bedrohung.
Resilienz beschreibt in diesem Kontext die Fähigkeit, solchem Druck standzuhalten, ohne das eigene Engagement aufzugeben oder daran zu zerbrechen. Es geht dabei nicht darum, unverwundbar zu sein — das ist niemand. Es geht darum, die eigenen Grenzen zu kennen.
Viele Gruppen erleben einen schmerzhaften Moment: Eine Situation eskaliert, und plötzlich stellt sich heraus, dass Mitglieder ganz unterschiedliche Belastungsgrenzen haben. Die einen sind bereit, weiterzugehen — die anderen steigen aus. Wenn das überraschend kommt, kann es eine Gruppe zerreißen.
Die Resilienzanalyse hilft, genau das zu verhindern. Sie macht die unterschiedlichen Grenzen sichtbar — bevor eine Krise eintritt. Das hat zwei entscheidende Vorteile:
1. Grenzen respektieren: Wenn die Belastungsgrenzen bekannt sind, gibt es keine falschen Erwartungen. Niemand wird überrascht, enttäuscht oder unter Druck gesetzt. Die Gruppe kann von Anfang an so planen, dass die Grenzen aller Mitglieder respektiert werden.
2. Realistische Selbsteinschätzung: Eine Gruppe, die weiß, wie belastbar sie tatsächlich ist, trifft bessere strategische Entscheidungen. Sie kann einschätzen, welche Aktionsformen realistisch sind, wo sie verwundbar ist und wie sie sich auf verschiedene Szenarien vorbereiten kann.
Die Analyse besteht aus zwei Teilen, die aufeinander aufbauen:
Persönliche Resilienzanalyse: Jedes Gruppenmitglied durchläuft für sich fünf Szenarien mit steigender Intensität — von gesellschaftlichem Druck über juristische Konsequenzen bis hin zu existenzieller Bedrohung. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Die Analyse zeigt dir ehrlich, wo deine persönlichen Grenzen liegen. Am Ende erhältst du ein verschlüsseltes Kennzeichen, das dein Ergebnis zusammenfasst — ohne Details preiszugeben.
Gruppenresilienzanalyse: Wenn alle Mitglieder ihre persönliche Analyse abgeschlossen haben, können die Kennzeichen in die Gruppenauswertung eingegeben werden. Die Gruppenanalyse zeigt dann das Gesamtbild: Wo liegen die kollektiven Stärken? Wo sind die Bruchlinien — also die Punkte, an denen die Gruppe unter Druck auseinanderzufallen droht? Diese Informationen sind Gold wert für die strategische Planung.
Wichtig: Die Ergebnisse dienen ausschließlich dazu, Grenzen zu respektieren und die Gruppe zu stärken. Sie dürfen niemals verwendet werden, um einzelne bloßzustellen, unter Druck zu setzen oder zu kritisieren. Jede Grenze verdient uneingeschränkten Respekt.
Analysiert systematisch eure vier Machtquellen und erhaltet eine detaillierte Auswertung mit konkreten Handlungsempfehlungen.
Dieser Fragebogen hilft dir herauszufinden, wie du persönlich auf verschiedene Formen von Repression und Druck reagieren würdest.
Du durchläufst fünf Situationen mit steigender Intensität. Deine Antwortmöglichkeiten verengen sich dabei — genau wie im echten Leben.
Wichtig: Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Sei ehrlich mit dir selbst.
🤝 Ein Wort zum Umgang mit Grenzen: Diese Analyse dient nicht dazu, die Grenzen einzelner bloßzustellen oder zu kritisieren. Im Gegenteil: Jede Grenze verdient Respekt. Wenn Grenzen offen bekannt sind, entstehen keine falschen Erwartungen — und genau das stärkt eine Gruppe. Die Analyse hilft dir und eurer Gruppe, euch selbst realistisch einzuschätzen und eure tatsächlichen Möglichkeiten zu kennen.
Tragt die Namen und Kennzeichen (aus der persönlichen Resilienzanalyse) eurer Gruppenmitglieder ein. Die Kennzeichen findet ihr im Ergebnis der persönlichen Analyse.
Raphael Klein
c/o COCENTER
Koppoldstr. 1
86551 Aichach
Vertreten durch: Raphael Klein
Kontakt
Telefon: 015561409285
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